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Franz-Josef Möhlich
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Karneval in Berlin!
 Karneval in Berlin!
 Karneval in Berlin!
Portrait und Interview mit Franz-Josef Möhlich

56'er und ihr Schreibtisch
Portrait und Interview mit Franz-Josef Möhlich

16. Oktober 2014

Herr Möhlich, freuen Sie sich wieder auf die 5. Jahreszeit?

Ja, sehr sogar! Ich und noch viele andere Menschen aus den Vereinen haben zwar das ganze Jahr mit dem Thema Karneval zu tun, aber kurz vor dem Start der Session freut man sich, dass es wieder los geht. Der 11.11. ist Jahr für Jahr der Startschuss für eine ganze Reihe von traditionellen Abläufen. Traditionell heißt dabei aber nicht altmodisch. Innerhalb eines offiziellen Rahmens werden alle Feierlichkeiten und Events vom Auftakt bis zum Aschermittwoch ausgerichtet werden. Da gibt es genaue Abläufe, die vorbereitet werden müssen. In Koblenz feiern wir den Start des Karnevals seit einigen Jahren auf dem Jesuitenplatz. Auch 2014 gibt es dort wieder eine große Party für alle.

Es immer wieder Diskussionen über die Karneval-Hochburgen. Wo schlägt denn nun das karnevalistische Herz? Mainz, Köln oder Düsseldorf?

Für mich als Kind der Stadt Koblenz gibt es da natürlich nur eine mögliche Antwort: Koblenz! (lacht) An einem Streit, wo Karneval, Fasching oder Fasenacht am besten gefeiert wird, will ich mich gar nicht beteiligen. Ich denke eher daran, dass alle Regionen eine unterschiedliche Art des Karnevals feiern. Schaut man auf den südwestlichen Raum, gibt es mit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht eine für Rheinländer ganz andere Form des Feierns. Keine ist jedoch besser oder schlechter, denn alle haben immer ein Ziel: Menschen Freude zu vermitteln, Spaß in ihr Leben zu bringen. Dafür darf fast jedes Mittel recht sein. Ich finde allerdings, dass wir hier am Mittelrhein mit etwas mehr Herzlichkeit Karneval feiern als vielleicht in Köln oder Mainz. Die Größe unserer Stadt und die tollen ehrenamtlichen Helfer lassen das auch zu.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Karnevalskostüm?

Nicht mehr unbedingt an das erste, aber an eines meiner ersten Kostüme: Ich habe mich als Kind zum Indianer verkleidet. Ganz klassisch mit schwarzer Perücke, Federn und einem braunen Fransen-Hemd.

Was erwartet die Jecken am Mittelrhein in der kommenden Session?

Die einzelnen Vereine haben sicher wieder viele tolle Ideen, um in Karnevalsumzügen, Sitzungen und anderen Veranstaltungen Freude unter das feiernde Volk zu bringen. Von der Seite der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK), sozusagen die Dachorganisation aller eingetragenen Karnevalsvereine der Stadt, kann ich sagen, dass wir natürlich mit einem tollen Programm am 11.11. im Herzen von Koblenz in die Session starten. Meine Traumvorstellung sind fröhlich feiernde Jecken bei herrlichem Wetter. Im weiteren Verlauf gibt es natürlich offizielle Highlights, die nicht fehlen dürfen. Im Januar starten wir mit der Inthronisation des Prinzen und seiner Confluentia und von da an gibt es viele Veranstaltungen. Von den "Schängelschiffen" bis hin zum Rosenmontagsumzug ist das ganze Team der AKK damit beschäftigt, alles zu koordinieren und die geplanten Veranstaltungen zu begleiten.

"Freude fürs Volk
aus Spaß an der Freud"

Sie zählen sich selbst zu einem eingefleischten Karnevalsmuffel und bei dem Gedanken an die sogenannte 5. Jahreszeit stellen sich alle Nackenhaare vor Ablehnung zu Berge? Dann wird Ihre Abneigung zu einem der fröhlichsten Brauchtümer in unserer Region in Ihrem Kopfkino sicherlich gepaart mit erschreckenden Bildern wie groß angelegte Trinkgelage, hemmungslose und unkontrollierbare, meist betrunkene Menschen mit schlecht sitzenden Perücken und fragwürdiger Gesichtsbemalung. Ja, keine Frage, auch das kann sicherlich eine Seite des Karnevals sein, aber eben nur eine Seite von vielen.

Zwar bin ich als echter Rheinländer seit meiner Kindheit mit dem Karneval konfrontiert, aber ich gebe zu, mir wurde das Karnevalsfieber nicht in die Wiege gelegt. Auch mir ging es teilweise selbst so, dass ich mit Karneval die beschriebenen Bilder verknüpfte - bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe und durch mein Treffen mit Franz-Josef Möhlich, dem Chef aller Koblenzer Narren, eine ganz neue Sichtweise aus erster Hand aufgezeigt bekomme. Er schafft es bei unserem Gespräch, Neugierde zu wecken. Starten wir doch gemeinsam ein Experiment und schauen uns andere Seiten der rheinischen Fröhlichkeit an – geben wir dem Ganzen eine neue Chance.

Presse Interview

Das Jahr 1960 war sicher ein gutes für den Koblenzer Karneval. Heinz Kassung regierte als "Prinz Heinz der Maler" das närrische Rheinland, damals noch ohne eine weibliche Confluentia. Im gleichen Jahr wird Franz-Josef Möhlich im Kemperhof geboren, noch unwissend, dass er dem gesamten Karnevalsbetrieb an Rhein und Mosel einmal wertvolle Dienste und vor allem so einige Neuerungen bringen wird. Der Sohn eines Installateur- und Klempnermeisters erlebt seine Kindheit in Güls, immer mit dem Blick auf die eigene Familiendynastie, denn bereits 1927 gründete sein Großvater einen Handwerksbetrieb für Klempnerdienstleistungen. Franz-Josef übernimmt den Betrieb von seinem Vater im Jahr 1995 als er selbst nach Ausbildung, Abitur und Studium die Handwerksmeisterprüfung ablegt. Bis heute erfüllt das Unternehmen unter seiner Leitung Kundenwünsche im Sanitärbereich, kreiert Wellnessoasen für Zuhause und verbaut energiesparende Heiztechnik in Wohnhäusern. Eine richtige Berufswahl hat er nie, es ist selbstverständlich, dass er in die Fußstapfen des Vaters tritt. Einen leidenden Gesichtsausdruck kann man hierbei trotzdem nicht erkennen. So beachtlich die Bad-Kreationen des Unternehmens auch sind - sein Beruf spielt in unserem Gespräch nur eine sehr kleine Rolle. Wie der Unternehmer zum Präsident der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK) wird, bietet weitaus mehr Stoff für unsere Story. Als Präsident der Dachorganisation des Karnevals in Koblenz muss man sicher kurz nach der Taufe mindestens in einem Karnevalsverein Mitglied werden und ein Vollblut-Jeck sein. Allerdings fängt bei Franz-Josef alles damit an, dass er bis zu seiner Jugend nicht viel zum Karneval beizutragen hat. Auf einem Tanzabend lernt er einige Bekannte seiner damaligen Freundin im legendären Mosel-Tanzpalast kennen. Mit steigendem Bierkonsum und gelockerter Zunge, lässt er sich an diesem Abend von den neuen Freunden zu einem Mitwirken im karnevalistischen Männerballett der "Güsler Husaren" reinquatschen. Ich weiß nicht, ob Sie jemals auf einer Karnevalssitzung in der Region unterwegs waren, aber nahezu jeder Verein hat so etwas wie einen eigenen Pfingstochsen. Königsdisziplin und ekstatischer Höhepunkt jeder Sitzung zugleich - ein Männerballett.

Bei keinem anderen Fest hüpfen jedes Jahr gestandene Kerle in lächerlichen Strumpfhose und Perücken so schrecklich schön unsynchron über die Bühne. Franz-Josef steht zu seinem Wort und ist fortan Teil der Männerformation in Güls. Ohne große Erfahrung im Karneval und direkt im kalten Wasser unterwegs. Die skeptischen ersten Schritte in seinem neuen Hobby verfliegen, als er das Vereinsleben und die starke, herzliche Gemeinschaft der Narren erlebt. Etwas, das ihm bis heute stark imponiert und ihn sicherlich zu dem macht, was er heute ist. Plötzlich ist da eine Verantwortung im spaßigen Karneval, die mit mehr zu tun hat als Schunkeln und Verkleiden. Es geht darum, in einer starken Gemeinschaft Freude unter das Volk zu bringen. Für einen flüchtigen Moment spenden ehrenamtliche Helfer fast ein ganzes Jahr ihre freie Zeit, um in der jeweiligen Session mit Lachern und Applaus belohnt zu werden. Welchen Stellenwert Fasching in unserer Region hat, wird deutlich, wenn man sich kurz nach Weihnachten die Veranstaltungskalender im Großraum Koblenz anschaut: Trockensitzungen, Empfänge, Straßenumzüge, Auftritte von Gardetanzgruppen und das überall und an jedem Wochenende. Ohne Helfer und Organisatoren, die all diese Dinge auf den Weg bringen, wäre das Brauchtum Karneval irgendwo zwischen Ü30- und 80er-Jahre-Party in der Versenkung verschwunden. Es geht eben um mehr, als ungestraft bereits ab 11:00 Uhr morgens in der Öffentlichkeit Bier trinken zu dürfen und fröhliche Lieder zu singen.

Presse Interview

Franz-Josef Möhlich steckt nun inmitten diesem Veranstaltungshort und weiß, welche Arbeit und Hingabe hinter jeder einzelnen Session steht. Nach dem Einstieg über das Männerballett besetzt er nach und nach vereinsrelevante Posten. Als es in seinem Verein plötzlich Unstimmigkeiten in Bezug auf das erste Prinzenjahr der "Gülser Husaren" gibt, erkennt Möhlich, dass es Klärungsbedarf und einer Neuausrichtung bedarf. Seine Ideen stoßen in der Gemeinschaft auf regen Zuspruch und ehe er sich versieht, ist er der Vorsitzende von einem der bekanntesten Karnevalsvereine der Stadt. Er leitet nun die "Husaren" in Güls und ist damit beschäftigt, als Sitzungspräsident oder Büttenredner Fröhlichkeit unter die Zuschauer zu mischen. Durch das Engagement von ihm und seinen fleißigen Helfern erblüht der Verein zu neuem Leben. Als Unternehmer knüpft er unermüdlich wichtige Kontakte zu zwei wichtigen Gütern: Sponsoren, die dem Verein in finanzieller Hinsicht helfen und Man-Power in Form von ehrenamtlichen Mitgliedern, die im Karneval ein passendes Hobby gefunden haben. Nach all den Jahren erkennt er versiert, worauf es neben dem Spaß ankommt – er entwickelt ein Gespür dafür, was wichtig ist für den Karneval am Mittelrhein. Gibt es in Großstädten wie Köln und Mainz längst eigene Gesellschaften, die das ganze Jahr feste Mitarbeiter im Haupterwerb beschäftigen und den Karneval-Kommerz vermarkten, ist die Struktur rund um Koblenz eine andere. Funktionäre in den Vereinen sind oft Unternehmer oder Selbstständige, die all das Knowhow aus dem Job dem Karneval widmen – ohne zusätzliche Bezahlung. Als Kopf der ganzen Bande führt Möhlich über 10 Jahre als Präsident durch die Karnevalssitzungen des Husarenvereins. Er präsentiert den rheinischen Frohsinn, für den Tanzgruppen, Büttenredner und Funkenmariechen die letzten Monate geprobt haben. Die Freude und die glücklichen Gesichter, in die er schaut, sind Lohn für so manche Probleme, die während den Vorbereitungen gelöst werden müssen. Auf einen Schlag sind an einem Abend Ärger, Zorn und Wut vergessen – nicht nur bei den Mitwirkenden, auch die Zuschauer lassen ihre Sorgen zuhause und erfreuen sich an den Darbietungen.

Inmitten seiner Tätigkeit als Präsident laufen in seinem Verein die Vorbereitungen für das Prinzenjahr 2001. Traditionell können sich Karnevalsvereine für die Stellung des Prinzen samt Confluentia bewerben und erhalten knapp 3 Jahre vor dem eigentlichen Einsatz den Zuschlag - oder eben nicht. So fröhlich der Prinz und sein Gefolge auf den Bühnen der Region auch wirken, es ist ein hartes Stück Arbeit für alle Mitglieder. Als klar wird, dass die "Gülser Husaren" den Zuschlag für das Jahr 2001 bekommen, steht noch lange nicht fest, wer schlussendlich der Prinz sein wird. Fast wie bei seinen Anfängen im Männerballett wird er ganz unbedarft zwischen Tür und Angel darauf angesprochen ob er nicht vielleicht Prinz Franz-Josef sein möchte. Er sagt selbst, dass er für diese Entscheidung etwas länger brauchte als für die Zusage zum Männerballett– um genau zu sein, etwa 5 Minuten.

Die Zustimmung ist groß, als Franz-Josef Möhlich seine karnevalistische Karriere durch die Prinzendarstellung in der Stadt Koblenz krönt. Hand in Hand und voller Leidenschaft stemmt der Verein diese Mammutaufgabe. Ideen und deren Umsetzung sind eben immer nur so stark wie die vielen Menschen im Hintergrund. Sponsoren und Unterstützer müssen gefunden werden, Kostüme entworfen werden. Ein ausdrucksstarkes Motto bringt die ganze Szene in ein harmonisches Bild. Fortan ist er „Prinz Franz-Josef aus Spaß an der Freud“. Und wie es ihn freut! Noch heute spricht er von der Zeit als Prinz voller Wärme und Herzlichkeit. Unzählige Auftritte und Termine geben während der Session eine hohe Schlagzahl vor. Es muss die unbändige Freude in ihm gewesen sein, die ihn und sein Team vom 11.11. bis zum Aschermittwoch durch diese intensive Zeit trägt. Selbst als er davon erzählt, dass er knapp zwei Wochen vor Rosenmontag überraschend mit einem Darmdurchbruch ins Krankenhaus eingeliefert wird, gewinnt er dem Ereignis etwas fröhliches ab. Natürlich ist die Situation alles andere als lustig, aber die Presse und die Vereine nutzen die Geschichte perfekt und kreativ um die prinzenfreie Zeit zu überbrücken. Selbst das Krankenhaus bastelt ein Banner, sie hätten den Prinz von Koblenz in Behandlung. Welche Emotionen quer durch die Vereinslandschaft möglich sind, wird klar, als das Krankenhaus gezwungen ist Besuchstermine für den Prinzen zu koordinieren. Viele wollen Anteil nehmen und den in Schieflage geratenen Möhlich aufmuntern. Eine Notoperation samt anschließender kurzer Genesungsphase später, steht er pünktlich zum Empfang des Oberbürgermeisters ganz überraschend im Rathaus vor seinen Anhängern und feiert gemeinsam den Start in den Straßenkarneval. Ein unbeschreibliches Gefühl, als wäre der verlorengegangene Sohn der Stadt zurückgekehrt.

Presse Interview

Mit dieser Einmal-im-Leben-Erfahrung macht man sich in seiner Heimatregion ungefähr genauso unsterblich wie durch den Gewinn einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Innerhalb kürzester Zeit ist man einem so breiten Publikum bekannt, dass man Jahre danach noch immer irgendwo auf diese Momente als Prinz angesprochen wird. Trotz dem Stolz, der dieses Amt mit sich bringt, gibt er ganz uneitel zu, dass man sich selbst allerdings keine allzu großen Illusionen machen darf. Man müsse damit umgehen können, nach Aschermittwoch wieder in sein normales Leben zurückzukehren. Er selbst hat 2001 damit keine Probleme. Nach seinem Prinzenjahr ist allerdings erst einmal Schluss mit der aktiven Zeit in der Fröhlichkeitsmanufaktur. Er fungiert fortan als Helfer im Verein und gibt den Posten des Präsidenten frei. Nach über zehn Jahren nimmt er seinen Hut und macht Platz für seine Nachfolger mit neuen, frischen Ideen. Es sei wichtig, bei allen Vorhaben die Menschen mitzunehmen und nicht alles bis zur Übelkeit auszureizen. Genau diese Selbsteinschätzung und sein klarer Blick machen Möhlich so sympathisch. Eine gewisse Leichtigkeit ist jederzeit zu spüren, selbst wenn es im Karneval um teilweise ernsthafte Dinge wie Sponsorenverhandlungen oder Veranstaltungsplanungen geht.

In unserem Gespräch spricht er oft von seinem Hobby. Ein Hobby wie Fußball, Tennis oder Töpfern. Menschen schaffen Verbindungen wenn sie die gleichen Interessen und Ansichten haben. So wie Möhlich jedoch von seinem Hobby spricht, steckt weit mehr dahinter als nur das Freizeitvergnügen des fröhlichen Jecks. Er nutzt seine vielzähligen Verbindungen und Netzwerke, um Dinge anzustoßen und Verbesserungen in vielen Bereichen zu erzielen. Genau hier setzt auch der Wunsch einiger Wegbegleiter aus den Vereinen an, Möhlich solle nach seiner längeren Abstinenz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval werden. Seit 2008 bekleidet er dieses Amt mit gewohntem Geschick und klaren Vorstellungen. Ohne die starke Verbindung zu seiner Ehefrau Susanne – so beton er – könnte er dieses Amt nicht ausfüllen. So steht hinter dem Netzwerker Möhlich eine ebenso versierte Partnerin, im Berufsleben und in seinem Hobby. Die Dachorganisation aller eingetragenen Koblenzer Karnevalsvereine schafft den gemeinsamen Rahmen für all die Highlights der Karnevalssession. Vom Start am 11.11. auf dem Jesuitenplatz über die Partyreihe „Schängelschiff“, die alkoholfreie Rosenmontagsdisco für Jugendliche bis hin zum krönenden Abschluss, dem Rosenmontagszug in Koblenz, gibt es viel zu tun. Alle Aktionen werden zentral durch die AKK organisiert, gemeinsam mit der Stadt genehmigt und veranstaltet. Der wichtige Zusammenhalt und ein gelebter Teamgedanke sind ihm seit Beginn seiner Vereinszeit ständige Begleiter. Seine Mitgliedschaft im Koblenzer Stadtrat gleicht nahezu seinen Aufgaben im Karneval: Aktionen für Menschen voranzubringen, Mitwirkende zu mobilisieren um Freude zu stiften. Ihm bereitet es selbst großen Spaß, politische Entscheidungen mitgestalten zu können. Möhlich bringt Menschen zusammen, die aus den Treffen wiederum befruchtende Ideen hervorbringen. Als er vor einigen Jahren von einem Golfturnier für Karnevalisten in Mainz hört, adaptiert er die Idee und ruft mit weiteren Sponsoren den „Olau-Kapp“ ins Leben. Bereits zum fünften Mal findet das närrische Golfturnier als groß angelegte Veranstaltung auf dem Jakobsberg bei Boppard statt. Zwischen Golf und Rahmenprogramm gibt es genügend Raum für neue Kontakte und Netzwerkpflege, die irgendwann wieder einer Aktion im Karneval zugutekommen. Dass der Karneval an Rhein und Mosel weit mehr ist als nur eine spaßbringende Komponente, sondern ein echtes Zugpferd der regionalen Wirtschaft ist, zeigt eine im Auftrag der AKK durchgeführte wissenschaftliche Studie der Hochschule Koblenz zur Wirtschaftskraft des Karnevals. Allein der Koblenzer Karneval generiert im Jahr knapp 23 Millionen Euro im Bezug zur Gesamtwirtschaft. Die Beschäftigungseffekte der Karnevalsaktivitäten in Koblenz belaufen sich auf 537 Personen in Vollzeitäquivalenten, das bedeutet knapp 537 in Vollzeit beschäftigte Personen hängen unmittelbar vom Koblenzer Karneval ab.

Presse Interview

Auf eine Bezeichnung reagiert der sonst so fröhliche Franz-Josef Möhlich allerdings allergisch. Das Wort „Karnevalist“ ist für ihn ein böses Schimpfwort. Karnevalisten seien Menschen, die gerne die eigene Pappnase am Schwerdonnerstag aus der Schublade ziehen und sie nach Rosenmontag wieder schnell wieder darin verschwinden lassen. Zwischen diesen Tagen haben sie zwingend Spaß und vergraben anschließend mit Ihrer Pappnase auch den Humor für das restliche Jahr. Jecken, Narren und eine echte Frohnatur tragen Freude und Lustigkeit das ganze Jahr mit sich umher.

Franz-Josef Möhlich spricht eindrucksvoll freundlich und mit einer Warmherzigkeit über den Karneval, dass man am liebsten sofort mit ihm losziehen möchte und die guten Menschen der Vereine treffen will. Seine Anekdoten sind mindestens genauso ansteckend lustig wie seine Leichtigkeit des Seins. Trotzdem vermittelt er die Ernsthaftigkeit und die Verantwortung, die gerade am Rosenmontag auf ihm lasten. Er zeigt Einblicke in eine karnevalistische Welt die weitaus vielschichtiger scheint. Eine Welt fernab der immer wiederkehrenden Kostümierungsklischees, in der Frauen oft nicht mehr bleibt als das sexy Kätzchen oder die böse Teufelin und Männer im siebten Jahr in Folge die Verkleidung als Arzt auftragen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen nun geht, aber ich habe große Freude daran, die kommende Karnevalszeit mit ganz neuen Augen zu entdecken und dem rheinischen Frohsinn eine zweite Chance zu geben. Was meinen Sie, kommen Sie mit?

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Herausgeber von Label 56 ist Daniel Koenen Text von Daniel Meyer und Fotos von Anna Haberkorn

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